Schließdienst passt auf
Von Sara Streiter | 09.01.2026, 06:37 Uhr

(v. l.) Horst Ellermann, Carmen Ellermann, Rita Winkler und Ralf Winkler haben die „Geben-und-Nehmen-Box“ in Bramsche-Hesepe gemeinsam auf die Beine gestellt. Foto: Sara Streiter
Seit Dezember 2025 gibt es in Bramsche-Hesepe eine „Geben-und-Nehmen-Box“ – und die ist sogar begehbar. Öffnungszeiten und ein Schließdienst sind den Betreibern dabei besonders wichtig.
Anderen eine Freude machen oder sich selbst beschenken – das geht jetzt mit der begehbaren „Geben-und-Nehmen-Box“ im Bramscher Ortsteil Hesepe. Direkt vor der evangelisch-lutherischen Christuskirche an der Lisztstraße steht seit dem 16. Dezember 2025 die Tauschhütte der Nachbarschaftsinitiative „Wir-für-Hesepe“ von Carmen und Horst Ellermann. Mithilfe eines kleinen Teams haben sie ihre Vision wahr werden lassen.
Vorbild aus Wallenhorst
Die Inspiration für ihre „Geben-und-Nehmen-Box“ fanden Carmen und Horst Ellermann im benachbarten Wallenhorst. Dort betreibt die Kolpingsfamilie bereits seit einigen Jahren ein begehbares Häuschen. „Wir haben dort den Hochstuhl für unser Enkelkind gefunden“, erzählt Carmen Ellermann stolz. Seit diesem Glücksgriff schwirrte die Idee für ein ähnliches Angebot in Hesepe in ihrem Kopf.
Mit Rita und Ralf Winkler fanden die Ellermanns schnell tatkräftige Unterstützung in der Nachbarschaft. Gemeinsam setzten sie das Vorhaben im Jahr 2025 Schritt für Schritt in die Tat um. Jetzt kann hier geshoppt werden – ganz ohne Geld.

Ralf Winkler, Horst Ellermann und Peter Maßmann errichteten die „Geben-und-Nehmen-Box“ in insgesamt 25 Arbeitsstunden. Foto: Horst Ellermann
Das gehört nicht in die „Geben-und-Nehmen-Box“
Das Prinzip der Heseper „Geben-und-Nehmen-Box“ ist simpel: „Ich kann etwas hineinstellen und ich kann etwas herausnehmen“, erklärt Carmen Ellermann. Bestückt wird die Box klassischerweise mit Büchern, Puzzles, Vasen, Kerzenständern oder Modeschmuck. Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, ist Rita Winkler überzeugt: „Was der eine nicht mehr leiden mag, gefällt vielleicht jemand anderem.“

Diese Dekoration in der „Geben-und-Nehmen-Box“ wartet noch auf einen neuen Besitzer. Foto: Sara Streiter
Es gibt jedoch klare Grenzen für das Sortiment: „Kosmetik, Lebensmittel, Kleidung oder Autoteile haben in der Tauschhütte nichts zu suchen“, stellt Winkler klar. Für sperrige Gegenstände, die keinen Platz in den Regalen finden, bietet die Pinnwand im Innenraum eine Lösung. Dort können Spender einfach einen Zettel mit Informationen hinterlassen, so Horst Ellermann. Widerrechtlich abgelegte Gegenstände werden entfernt.
Ein mehrsprachiger Leitfaden an der Außenseite der Hütte erläutert, welche Gegenstände in die Box gehören.
Öffnungszeiten und Schließdienst
Was die „Geben-und-Nehmen-Box“ in Hesepe von anderen Tauschboxen unterscheidet, sind die festen Öffnungszeiten. Ein siebenköpfiges Team sorgt täglich dafür, dass die Hütte auf- und abgeschlossen wird. „So kommt mindestens zweimal am Tag jemand von uns vorbei und sieht nach dem Rechten“, erklärt Horst Ellermann.

Carmen Ellermann und ihr Mann Horst sind an drei Vormittagen in der Woche für das Aufschließen der „Geben-und-Nehmen-Box“ zuständig. Foto: Sara Streiter
Zugänglich ist der Tauschschrank regulär montags bis samstags von 9 bis 17 Uhr. „Manchmal handhaben wir es aber auch flexibel, schließlich leisten wir die Arbeit ehrenamtlich“, so Ellermann weiter. Unterstützung kommt zudem aus der direkten Nachbarschaft: Der gegenüberliegende Jugendtreff übernimmt den Schließdienst an zwei Abenden in der Woche, berichtet Carmen Ellermann.
Unterstützung von vielen Seiten
Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt unter anderem vom Heseper Ortsrat sowie von verschiedenen Firmen aus der Umgebung. Diese stellten Material vergünstigt zur Verfügung, traten als Sponsoren auf oder sagten finanzielle Hilfe für den Fall zu, dass die kalkulierten Kosten überschritten würden. „Am Ende war es jedoch günstiger als gedacht“, so Horst Ellermann. Rita Winkler ergänzt: „Es ist schön zu wissen, dass Firmen unser Projekt unterstützen, auch ohne eine Spendenquittung erhalten zu können.“
Eine zentrale Rolle für die Umsetzung spielte schließlich die Christusgemeinde: Sie unterstützte das Projekt und stellte für die „Geben-und-Nehmen-Box“ einen festen Platz auf ihrem Gelände zur Verfügung.

Die „Geben-und-Nehmen-Box“ steht auf dem Gelände der Christuskirche in Hesepe. Foto: Sara Streiter
Skeptiker werden zu Befürwortern
In der Planungsphase habe es viele Vorbehalte gegeben, berichtet das Team der „Geben-und-Nehmen-Box“ in Hesepe. Doch die anfänglichen Bedenken sind mittlerweile verflogen: „Einige Personen, die dem Projekt anfangs kritisch gegenüberstanden, haben selbst schon etwas hineingestellt“, berichtet Horst Ellermann.
Nach nur drei Wochen findet der begehbare Tauschschrank bereits großen Anklang. Wie gut das Konzept angenommen wird, zeigt sich im Alltag: Allein während des Vor-Ort-Termins schauen vier Menschen vorbei, um nach neuen Schätzen zu stöbern oder den Schrank mit Leben zu füllen.
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